
Danke Bienwaldfreunde!
9. März 202651. Internationaler Bienwald-Marathon powere by Bitburgr 0,0% in Kandel und 48. Nationaler Halbmarathon
„Tage wie diese“ bleiben in Erinnerung

Am 22. März wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Alle, die am 8. März in Kandel an der Startlinie stehen, hatten schon gewählt. Nicht politisch, aber sportlich und das schon im letzten Jahr. Erstmalig in der Geschichte des Bienwaldmarathon powered by Bitburger 0,0% waren schon im Oktober alle 2.500 Startplätze vergeben.
Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch möglich, über Tauschbörse oder Kleinanzeigen einen der inzwischen begehrten Startplätze zu bekommen. Ein deutliches Indiz dafür, dass man gerne nach Kandel kommt, nicht nur wenn ein Jubiläum gefeiert wird. 100 % Laufbeteiligung, da können die Landtagswahlen nur davon träumen.
Kommt zu der Freude einen Startplatz zu haben auch noch, wie an diesem Tag, ein perfektes Laufwetter hinzu, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Strahlender Sonnenschein und absolute Windstille bei morgens erfrischenden Temperaturen, die im Verlauf des Tages auf fast 20 Grad kletterten. Besser geht es nicht.
Bunt wie ein Krokusfeld reihen sich fast 2.200 Läufer, so viel wie noch nie, vor dem Startbogen in ihre Startbereiche ein. Dazwischen sieht man immer wieder die Flags der Zug- und Bremsläufer, die während des Laufs, Orientierung und Motivation bieten. So vielseitig die Laufshirts optisch auch sind, dürfte auch die Motivation der Träger sein. Von Sieg, über Bestzeit bis „Hauptsache ankommen“ ist das ganze Spektrum vertreten. Das ist was diesen Lauf ausmacht, die Vielseitigkeit oder wie man neudeutsch sagt „Diversität“.
Mit einem besonderen Gruß an die Teilnehmerinnen, schließlich ist „Internationaler Frauentag“, begann Ministerpräsident Alexander Schweizer seine Grußworte an die Läuferschafft. Trotz der heißen Phase des Wahlkampfs, ließ er es sich nicht nehmen, in Kandel gemeinsam mit Sven Koch (Bürgermeister Herxheim und MdL) das größte Starterfeld bisher, mit seinem Startschuss auf die Strecke zu schicken.

Einen einsamen Lauf an der Spitze absolvierte der für die LG Region Karlsruhe startende Holger Körner. Von Start weg legte er ein Tempo vor, mit dem keiner mithalten konnte. Vor zwei Jahren in Kandel noch auf dem undankbaren 4. Platz konnte er diesmal mit 1:08:09 h seine Bestzeit nochmals um eine halbe Minute verbessern und sich den Sieg sichern. „Aber die letzten vier Kilometer so allein waren schon hart“, gab er im Ziel zu Protokoll. Der zweitplatzierte Sebastian Pieczarek (Pfalzwerke) überquerte mit 1:10:13 h zwei Minuten später die Ziellinie. Ihm folgte gerade mal 9 Sekunden später der aus Bad Kreuznach angereiste Polizist Fabian Fiedler. Er zeigte sich glücklich mit seiner Zeit, war es doch nach einer kleinen Leidenszeit seit Jahren wieder sein erster Halbmarathon.
Rennverlauf Halbmarathon

Schnellste Frau auf der Halbdistanz war die 29-Jährige Sophia Wunsch. Sie hatte ein gute Männergruppe erwischt, mit der sie bis Kilometer 14 mitlaufen konnte. Ihr Ziel unter 1:15 h zu laufen, konnte sie mit 1:14:50 h gut umsetzen. Sie versteht den Charme eines Stadtmarathons, genießt aber eine Strecke wie in Kandel, bei der stellenweise Zuschauer sind, man aber auch mal eine lange Gerade für sich hat. Nächstes Jahr will die für Mercedes arbeitende Projektmanagerin wieder in Kandel starten. Eine Bestzeit konnte die zweite Frau Jule Vetter für sich verbuchen. Das erste Mal in Kandel, fand sie direkt einen netten Mitläufer, der sie bis ins Ziel begleitete und sie auf eine Zeit von 1:15:49 h brachte. Als Familienevent hat die drittplatzierte Samira Schnüriger das Wochenende angelegt. Mit ihrer Familie kommt die gebürtige Schweizerin mit dem Camper nach Kandel und kann so direkt vor dem Stadion übernachten. Bis zur Wendeparke lief es perfekt für sie, dann hatte sie den Anschluss verpasst und musste sich alleine bis zum Ziel durchkämpfen. Mit 1:16:02 h fehlten ihr nur 13 Sekunden auf den zweiten Platz. Nächstes Ziel der Schweizer Marathonmeisterin von 2023 ist der London Marathon mit einer Zielzeit von 2:35 h. Besonders erfreulich aus Sicht des Veranstalters ist der erste offizielle Halbmarathon des gerademal 17-Jährigen Janis Roth. Bis Kilometer drei konnte sein Vater ihn noch begleiten, dann musste er seinen Sohn ziehen lassen. Mit einer Zeit von 1:18:49 h war der jüngste Kandler Starter auch der schnellste in der Altersklasse U20. Vater Patrick kam fünf Minuten später ins Ziel, um seinem Sohne zum Sieg zu gratulieren.
Weltrekord der besonderen Art durch Lars Kegler

Ein Stammgast in Kandel ist der 44-jährige Berufsfeuerwehrmann Lars Kegel aus Speyer. Mit der Erfahrung aus 80 Marathons sucht er immer wieder neue Herausforderungen am besten mit Bezug zu seinem Beruf. Dieses Jahr verschmähte er die so erfrischende Luft des Bienwalds und brachte seine eigene Luft in Sauerstoffflaschen mit. „Reine Druckluft, kein Sauerstoff“, wie er betonte. Sein Ziel den bisherige Rekord eines Halbmarathon, gelaufen mit Atemschutzmaske und
zugehörigen Flaschen aktuell bei 2:21:27 h von einem Britten gehalten zu unterbieten. Vor dem Start, gab sich Lars zuversichtlich und traute sich eine Zeit um die 1:45 h zu. Am Ende sollten es nach 5 verbrauchten Flaschen, mitgeführt von seiner Begleitung im Lastenrad, eine Zeit von 1:35:26 h sein. Den Rekord um 47 Minuten verbessert. Respekt. „Es lief super, ich hatte keinen Einbruch“, resümierte er im Ziel glücklich und feierte mit seiner mitgereisten „Fangemeinde“ den Weltrekord ausgiebig. Man darf gespannt, was er sich als Nächstes einfallen lässt.
Rennverlauf Marathon

Zum ersten Mal in Kandel, hatte sich der für die LG Zusam startende Tobias Gröbel nichts Anderes als den Sieg vorgenommen. „Die Wetterbedingungen, morgens frisch wie es der Läufer mag und vor allem windstill“ waren perfekt für ihn. Der fünfmalige Meister im Marathon Cross zeigte sich zufrieden mit seiner Zielzeit von 2:23:46 h und kann nun an einen Haken an den Bienwaldmarathon machen.
Einen zweiten Platz und einen Sieg (2022) kann bisher Lennart Nies in Kandel für sich verbuchen. Erneut zZweiter zu sein, ist für ihn kein Problem, bringt ihm der Lauf doch den Pfalzmeistertitel. Letztes Jahr verletzt, das Jahr davor in Tokio am Start, genoss der für den TV Maikammer startende Läufer wieder in der Heimat laufen zu können. Die erste Hälfte ist er offensiv angegangen und übernahm ab dem Wendpunkt des Halbmarathons die Führung, die er bis Kilometer 36 halten konnte. Dort überholte ihn Tobias Gröbel und gab die Führung nicht mehr ab. Für einen Konter fehlten ihm dann die Energie, die das hohe Anfangstempo gekostet hatte. Nächste Ziele werden verschiedene Meisterschaften im Berglauf und Halbmarathon sein. Mit seiner Zeit von 2:24:32 h ist er soweit zufrieden, wenn sie auch nicht an seine Bestzeit, gelaufen in Berlin, von 2:22 h heranreicht.

Ein Beweis, dass man auch im Alter noch schnell sein kann, lieferte die 48-Jährige Silvia Felt. Vor zwei Jahren trug sie sich mit einer Zeit von knapp unter 3 Stunden zum ersten Mal in Kandel in die Siegerliste ein. Dieses Jahr erfolgt mit einer Siegerzeit von 3:00:51 h der zweite Eintrag für sie. Bis zur Halbmarathonweiche hatte sie eine tolle Mitläuferin, danach war sie auf sich allein gestellt. Ihr Rezept: „Kopf ausschalten und laufen“, also mentale Härte zeigen. Nächste Stationen werden der Hamburg Marathon sowie der Rennsteiglauf sein.
Etwas unsicher, weil es ihr erster Marathon war, startete die zweitplatzierte Charlotte Holly. Sie suchte eine Gruppe, die eine 4:30er pace laufe und wurde auch fündig. „Eine megacoole Gruppe, die sie von Kilometer 13 bis 39 begleitete“, zeigte sie sich im Ziel begeistert. „Ich habe auf den Mann mit Hammer gewartet, aber der kam nicht. Als ich hinter mir hörte, wie die dritte Frau angefeuert wurde, habe ich nochmal Gas gegeben, hat super geklappt“, so ihr Statement nicht ohne Stolz. Die Bonner Ärztin kann den Lauf hier gerade für Marathoneinsteiger nur empfehlen. Die ebene Strecke, kombiniert mit dem familiären Charakter, betrachtete sie als ideale Kombination für eine Marathonpremiere.

Pfalzmeisterin der Frauen wurde, nicht zum ersten Mal, die Zahnärztin Verena Becker vom TV Lemberg. Eine Zeit von 3:28:30 h ist für sie ok, aber es hätte auch schneller sein können, sagte die selbsternannte Trainingsweltmeisterin.
Fazit des Veranstalters
„An Tagen wie diesen“, möchte man mit den Tote Hosen singen. Es gibt Tage, da passt alles. Dieser Sonntag war solch ein Tag, wobei das Wetter einen großen Anteil daran hatte.
Trotz einer Veranstaltung an der Kapazitätsgrenze, funktionierten alle Abläufe wie geplant. Man kann Sponsoren und den 250 ehrenamtlichen Helfern nicht genug danken für ihren Einsatz. Besonders positiv aufgenommen wurde, dass viele Läufer sich spontan bei Helfer für ihren Einsatz bedankten. Das ist wie Applaus für einen Künstler und motiviert ungeheuer für das nächste Jahr.
Was dieses Jahr ebenfalls auffällig war, waren die viele Zuschauer entlang der Strecke, die richtig gute Stimmung machten. Sogar in entlegenen Ecken des Waldes gab es noch Gruppen, die lautstark die Läufer anfeuerten. Die Wildkatze wird an diesem Tag kein Schlaf gefunden haben. Es wäre schön, wenn das auch in den nächsten Jahren so bliebe. Ein wichtiger Faktor für all die Glückseligkeit war natürlich das Wetter. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das diesjährige Wetter langfristig zu verpflichten 😊.
Noch nie gab es so viele Personen im Runners Heaven. Mit Medaille um den Hals, die erstmals jeder bekam und einem erfrischenden Bittburger in der Hand, ließ man sich auf dem Rasen nieder und genoss die Frühlingssonne. Es hatte zeitweise den Flair eines gut besuchten Stadtgartens.
Jedes Jahr gibt es eine Neuerung, wie letztes Jahr die Pasta Party, oder dieses Jahr der „Shakeout Lauf“. Beides wurde so gut angenommen, dass es wohl weiter im Programm bleibt. Und nächstes Jahr? Lassen wir uns überraschen, unserem Orga-Chef Markus wird sicher etwas einfallen.
Wer mit dem Gedanken spielt, nächstes Jahr wieder dabei sein zu wollen, sollte nicht zu lange mit der Anmeldung warten. Es gilt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ und wenn auch die zweite Maus den Käse bekommt, kann es für die Anmeldung schon zu spät sein.
Wir sehen uns hoffentlich wieder am 14.März 2027.
